Freitag, 25. Juli 2014

Aktuell, Teil zwanzig

Aktuell, Teil zwanzig


Mein Ideal ist nicht ein Ideal

Da du im Spiel bist
damit du ein Wort zu sagen hast

da meine Mutter im Spiel ist
damit sie ein Wort zu sagen hat

da mein Vater im Spiel ist
damit er ein Wort zu sagen hat

da die Realität im Spiel ist
damit sie ein Wort zu sagen hat

mein Ideal ist nicht ein Ideal
da ich im Spiel bin

damit ich ein Wort zu sagen habe.

Sonntag, 4. Mai 2014

Aktuell, Teil neunzehn

Aktuell, Teil neunzehn
Letzte Aktualisierung Mai 2014


Frühling I

Heute war ein sonniger Tag. Wir haben noch ein paar Wochen vor uns, bevor der Frühling anfängt. Es ist noch kühl. Doch ein Hauch von Frühling ist schon heute da.
Ich habe eine andere Stimmung. Auf einer abgelegenen Nebenstrasse neben einem Haus sitzt eine Frau mit Rüchen zur Wand auf Einfriedungsmauer und sonnt mit geschlossenen Augen ihr Gesicht. Sie hat Jeanjacke und Jeanhose an. Alle Knöpfe an Jeanjacke sind bis zum Kragen zu.


Frühling II

Es sind die ersten sonnigen Tagen in diesem Jahr. Ich entschied mich, auf dem linken Gehweg die Strasse entlang laufen. So legte ich einen kürzeren Weg zurück. Auf der anderen Seite belegte der Sonnenschein den Gehweg.
Eine Kraft in mir drängte mich dazu, zu der anderen Seite zu wechseln. Ich leistete Widerstand. Dann merkte ich, dass es sinnlos ist, und gab nach und überquerte die Strasse.
So hätte ich wahrscheinlich in Sommer nicht gehandelt, obwohl hier in Deutschland auch in Sommer Sonnenschein wenig unangenehm sei.


Frühling III

Auf den Treppen zur U-Bahn Station bis auf dem Bahn-Gleis sind bunte winzigkleine Zierpapier hier und da zerstreut. In blau, rot, gelb, orange, weiß. Da draußen stehen erste Bäumen in Blüten. Und die Sonne scheint. wäre es in Winter, hätte ich mich vielleicht gestört gefühlt, so was in U-Bahnstation zu begegnen.
Auf dem Rückweg sah ich einen Vater mit seinen zwei Kindern auf Bahn warten. Die Tochter, vier oder fünfjährig, hatte ein gebasteltes Kreuz aus dünnen Holzzweigen in der Hand. Ihr Bruder, junger, hatte eine dicken kürzen krummen Holzzweig. Wäre in Winter, hätte ich vielleicht diesen Stück Holz nicht so schön gefunden.


Frühling IV

Vor mir, auf den vorderen Sitzplätzen sitzen zwei jungen Frauen gegenüber. Sie plaudern während der Fahrt miteinander. Die Frau, die mit Gesicht zu mir sitzt, trägt eine Sonnenbrille.

Neben mir, auf der anderen Sitzreihe sitzt eine Frau in mittleren Jahren. Sie hält einen Sehbehinderten Taststock in der Hand und trägt eine weich dunkle Brille. Eine schicke. Ich bekomme den Eindruck, sie habe Frühlingsgefühle. Unterwegs steigt eine andere Frau, ihre Freundin, in Bahn ein. Sie begrüßt sie und setzt sich ihr gegenüber. Sie trägt eine normale durchsichtige Brille.

Sonntag, 23. Februar 2014

Aktuell, Teil achtzehn

Aktuell, Teil achtzehn
Letzte Aktualisierung Februar 2014


Nun soll ich nicht viel denken!

Ich dachte, ich würde dein Einverständnis gewinnen. Dann wäre das Problem gelöst. Ich scheiterte daran. Etwas stimmte hier nicht.
Ich dachte, ich würde mein Einverständnis gewinnen. Dann wäre das Problem gelöst. Ich scheiterte daran. Etwas stimmte hier nicht.
Außer dir und mir war auch etwas anders im Spiel. Manche nennen es Gott, manche nennen es Liebe, manche nennen es Vernunft, manche nennen es Engel. Das Wort Engel gefällt mir. Ich weiß es nicht, ob es Engel gebe, oder nicht. Ich will es auch nicht wissen. Vielleicht deshalb gefallen mir Engel so sehr.
Ich dachte, ich würde ihr Einverständnis gewinnen. Dann wäre das Problem gelöst. Da rief mich ein Engel an und teilte mir mit, dass ihr Einverständnis nicht ausreiche. Ich sollte auch dein Einverständnis haben.
Nun soll ich nicht viel denken! Ich habe das Gefühl, ich hätte dein Einverständnis.


Federleicht

Alles war okay
sogar der Schmerz
sogar die Tränen

sie waren selbstverständlich,
federleicht

vielleicht sei ich nun nicht so begeistert
doch in meinen Texten fließt die Begeisterung

selbstverständlich,
federleicht.


Ich behaupte nicht

Ich behaupte nicht,
dass ich nicht leide

und ich verlange nicht nach einer Heilung
was auch die Frage sei
die Antwort ist das Leben

das leben ist meistens nicht vollkommen
in Blick eines andern wird es sein

das Leben ist eine Begegnung
Begegnungen

mit sich selbst
und mit anderen.


Doch die Erinnerung

Was hat mich verändert?
aus mir wurde eine andere Person

vielleicht lag es nicht in meiner Gewalt
ob es gelegen hätte, ob nicht
es hätte dich verändert

sie erweckten die Erinnerung in mir,
wer ich war
ab und an
als Freund, als Nachbar, als Autor, als Songschreiber

mal habe ich sie ignoriert
mal beweinte ich sie
mal wünschte ich, sie wäre falsch
wir haben auch falsche Erinnerungen

doch die Erinnerung.


Donnerstag, 19. Dezember 2013

Aktuell, Teil siebzehn

Aktuell, Teil siebzehn
Letzte Aktualisierung Dezember 2013

Bei einem Kaufhaus

Vergnügen ja
aber bitte nicht ein Vergnüger!

Spiel ja
aber bitte nicht ein Spieler!

Romantik ja
aber bitte nicht ein Romantiker!

Humanität ja
aber bitte nicht ein Humanist!

Moral ja
aber bitte nicht ein Moralist!

Ratio ja
aber bitte nicht ein Rationalist!

Melancholie ja
aber bitte nicht ein Melancholiker!

Liebe ja
aber bitte nicht ein Liebhaber!

Hass ja
aber bitte nicht ein Hasser!

was bestellst du denn da?
ein Ich
bei einem Kaufhaus in City.


Ich bin im glichen Masse verletzlich, wie du es bist

Ich bin im glichen Masse ein Iraner, wie ich ein Deutscher bin. Ich im glichen Masse ein Deutscher, wie ich ein Niederländer bin. Ich bin im glichen Masse ein Niederländer, wie ich ein Afrikaner bin. Ich bin im glichen Masse ein Afrikaner, wie ich ein Amerikaner bin. Ich bin im glichen Masse ein Amerikaner, wie ich ein Araber bin. Ich bin im glichen Masse ein Araber, wie ich ein Japaner bin. Ich bin im glichen Masse ein Japaner, wie ich ein Inder bin.
Ich sehe den glichen Mond, den auch du zu sehen hast. Ich sehe die glichen Sternen, die auch du zu sehen hast. Ich atme die geliche Luft, die auch du zu atmen hast.
Ich bin im glichen Masse verletzlich, wie du es bist. Ich bin im glichen Masse sehnsüchtig nach Freude, wie du es bist.
Einst teilten die Leute das Brot miteinander. Komm, wir teilen die Hoffnung miteinander!


Eine Antwort

Meine erste Utopie hatte ich, als ich ein jugendlicher war. Das war wie die erste Liebe. Rein und sanft. Sie hat meine Energie freigesetzt. Ich fühlte mich wie in siebten Himmel. Ein Gefühl von Befreiung.
Nun ist es 21. Jahrhundert. Und ich stehe mit beiden Fußen auf der Erde. Es ist gerade nicht der Trend, eine Utopie zu haben. Das kann ich verstehen. Meine Utopie hatte für mich Konsequenzen. Meine Befreiung endete in einer Sackgasse. Die Enttäuschungen waren entsprechend enorm. Sie saßen tief in jeden meinen Zellen. Ich war meinem inneren Chaos ausgeliefert und meinen inneren Dämonen.
Wer einmal geliebt hat, kann nicht ohne Konsequenzen von der Liebe lassen. Wer einmal eine Utopie hat, kann nicht ohne Konsequenzen ohne eine andere Utopie auskommen. Ich weiß, was Konsequenzen bedeuten. Ohne Freude, ist Liebe keine Liebe. In der Liebe erleben wir Freude inklusiv. Utopien ändern sich. Gegen eine verlorene Utopie hilft eine andere Utopie. Eine Utopie, die eine Antwort ist, auf dein Dasein, hier und jetzt. Meine erst Utopie war eine Antwort auf mein Dasein. Da und damals.


Ich habe dir die Sonne mitgebracht, sagte sie

Hoffnung war ein Luxus für mich
die Sonne war schon in meinem Land untergegangen

wir schauten uns an
eine Sonne wurde geboren

heute träumte ich, sie wäre bei mir
gelassen und sanft

ich fragt sie: was machst du hier?
ich habe dir die Sonne mitgebracht, sagte sie

und ging.


Je zweites Mal

Was tun?
die Frage ist nicht, was du tun solltest
die Frage ist, ob du richtig tust, was du gerade tust

gerade schreibe ich diesen Text
schreibe richtig!
trinke richtig Kaffee!
rauche richtig!
koche richtig!
kaufe richtig ein!
liebe richtig!
befreunde dich richtig!
leide richtig!
verlasse richtig!
engagiere dich richtig, falls du ein Aktivist bist!
streite richtig!
protestiere richtig!
lobe richtig!
bestrafe richtig!
entschuldige dich richtig!
und wenn der Tag verrinnen ist, schlaff richtig ein!
das geht aber je zweites Mal nicht richtig
alles geht je zweites Mal nicht richtig

sei je zweites Mal nachsichtig!
aber richtig!

















Mittwoch, 2. Oktober 2013


Aktuell, Teil sechzehn

Nächste Aktualisierung Januar 2014

 

 

Ein Ja

 

Warum habe ich eine Utopie nötig

weil ich ein Ego besitze

wie könnte ich es ansonsten besänftigen

Utopien sind ein Ja zum Leben

 

warum habe ich die Liebe nötig

weil ich über eine Seele verfüge

wie könnte ich sie ansonsten bändigen

Liebe ist ein Ja zu einem anderen

 

warum habe ich die Vernunft nötig

weil ich auch vernunftwidrig bin

wie könnte ich ansonsten mich verstehen können

Vernunft ist ein Ja zu mir selbst.

Montag, 1. Juli 2013

Aktuell, Teil fünfzehn


 

Aktuell, Teil fünfzehn

Nächste Aktualisierung Anfang Oktober 2013


 

Etwas Sklave zu sein finde ich gut!

 

Ich wollte verpflichtet sein. Ich war verpflichtet. Paradoxerweise  war ich frei. ich könnte meine Verpflichtungen nachkommen.

Und ich hatte keine Ahnung von diesem schwarzen Loch! Auf einmal war es da.

Inzwischen ist dieses Loch immer noch da. Aber nicht in Farbe Schwarz. Es hat die Farbe meines Fleisches.

Verpflichtungen hin, Verpflichtungen her. Ist die Freiheit nicht dich die Verpflichtungen zu unterordnen, die du für dich definiert hättest? Das ist nichts Neues. Das wissen die meisten, verborgen oder offenkundig. Mindestens seit Augustinus und später seit Rousseau. Die Frage ist, ob ich über meinen Schmerz Kontrolle hätte? Ich denke, ich habe sie. Wenn auch nicht immer. Ich soll ja auch nicht mich immer frei fühlen! Etwas Sklave zu sein finde ich gut! Sklaven waren meine Freunde.     

 
 

An diesem Gesicht

 

Was lässt Tiefe

an einem Gesicht

entstehen?

 

die Kombination ihrer Kleidungsteile

deuten auch darauf hin

 

die Schultertasche

und die Farbe der Stoffeinkaufstute

ergänzen es.

 

 

Ihr Gesicht

 

Diese Spur vom Leid

an ihrem Gesicht

 

sie hat es doch hinter sich!

sie hat es doch verdaut!

 

ihr Gesicht erzählt eine Geschichte.

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 3. April 2013

Alice Miller


Aktuell, Teil vierzehn

Nächste Aktualisierung Anfang Juli 2013

 

Inspiriert von Alice Miller

 

 

Schon längst

 

Er behandelte einen anderen als den letzten Dreck. Und dieser behandelte einen anderen als den letzten Dreck.

Irgendwann fiel das Los auf meinem Namen. Einer behandelte mich als den letzten Dreck. Alles von Kopf bis zum Fuß eine dreckige Geschichte! Ich mache nicht mit! Ich werde dich nicht als den letzten Dreck behandeln. Reicht diese Absicht aus? Nein!

Nachdem er mich als den letzten Dreck behandelte, fühlte mich echt als den letzten Dreck. Also, ich soll den Dreck vorher von mir wischen. Mit einem sauberen Handtuch. Ich habe welche zur Verfügung. Ich habe sie beim weinen nötig.

Haben die Tränen schon längst nicht den Dreck von meiner Seele gewischt?